WM Tartu (Estland) 2001

 

Indiaca-WM 2001 in Estland

> Bericht

Sonntag, 19. August 2001, 15.51 Uhr, Universitätssporthalle Tartu/Estland: 8 Spieler, 3 Betreuer sowie 4 weitere mitgereiste Kamener liegen sich überglücklich in den Armen und lassen ihrer Freude freien Lauf! Die deutsche Nationalmannschaft der Männer hat soeben Geschichte geschrieben und bei den 1. Indiaca-Weltmeisterschaften die Gastgeber aus Estland im Finale mit 2:0 besiegt. Deutschland ist Weltmeister – und 6 der 8 Spieler stammen vom CVJM Kamen!!!

Bei der Gründung der „International Indiaca Association" (IIA) im Mai 2000 in Berlin wur-de beschlossen, bereits im folgenden Jahr erstmals eine Weltmeisterschaft auszutragen. Die Ausrichtung wurde dem Land des amtie-renden IIA-Präsidenten, Victor Saaron aus Estland übertragen. Da es in Deutschland bisher keine Nationalmannschaft gab, wurde der DTB-Pokal für Länderauswahlmannschaften als Qualifikationsturnier gewertet. Das Siegerteam sollte Deutschland in Estland vertreten. Das Männerteam Westfalens setzte sich dabei am 24. März 2001 in Bochum gegen stärkste nationale Konkurrenz durch und wurde damit zur WM nominiert. Die Auswahlmannschaft setzte sich aus dem Stamm des amtierenden Deutschen Meisters CVJM Kamen sowie zwei Spielern des CVJM Sylbach zusammen.

Die Titelkämpfe wurden vom 17. bis zum 19. August 2001 in Tartu, der nach der Hauptstadt Tallinn zweitgrößten Stadt Estlands ausgetragen. Neben Deutschland und Gastgeber Estland waren Mannschaften aus Luxemburg, Japan, Brasilien, der Schweiz und der Slowa-kei vertreten. Gespielt wurde in den Klassen Damen, Herren, Mixed sowie den entspre-chenden Altersklassen „über 40" (40+).

Die insgesamt 15-köpfige deutsche Delegation um das Herrenteam reiste bereits am Montag, den 13.08. und damit vier Tage vor Turnierbeginn an, um die Gelegenheit zu nutzen, sich die vielen kulturellen Attraktionen in Estland an-zuschauen und Land und Leute kennen zu lernen. Das ausgearbeitete Programm mit Museumsbesuchen, Natur- und Stadterkundungen fand dabei großen Anklang und Zuspruch.

Bereits am Flughafen in Tallinn lernten die Kamener die perfekte estnische WM-Organisation kennen, wurden sie doch von zwei sympathischen jungen Hostessen empfangen und die ganze Woche über begleitet. Überhaupt sollten die ersten Weltmeisterschaften durch eine hervorragende Logistik als einmaliges Erlebnis in die Geschichte des Indiaca-Sports eingehen und einen hohen Maßstab für zukünftige Veranstaltungen setzen. Mit einer estnischen Brauerei, der estnischen Telefongesellschaft „Eesti-Telefon" sowie dem Großkonzern Nokia konnten die Gastgeber u.a. gleich drei namhafte Sponsoren gewinnen, die für die WM einen Gesamtetat von 150.000 DM (!) zur Verfügung stellten. Im Gegensatz zu den deutschen Mannschaften, die ihre Reise überwiegend selbst finanzieren mussten, wurden auch die Teams aus Luxemburg, Japan und der Schweiz durch die nationalen Verbände und Sponsoren kräftig unterstützt.

Am Donnerstag begann für die Mannschaft der sportliche Teil der Reise. In der zugeteilten Trainingszeit nutzte das Betreuerteam um Trainer Dirk Marquardt und Co-Trainer Sebastian Ostermann unter Beobachtung der internationalen Konkurrenz die Zeit bis zum Ende, um den möglichen Aufstellungen und Spielsystemen den Feinschliff zu geben.

Nach Abschluss des Trainings fand am Abend die offizielle Eröffnung statt. Nach einem festlichen Umzug aller Teilnehmer durch die Altstadt Tartus fand man sich vor dem Rathaus auf dem „Town Hall Square" ein und die Eröffnungszeremonie begann. Victor Saaron, Präsident der IIA erklärte – unterstützt vom offiziellen WM-Maskottchen „Viki" – die Weltmeisterschaft für eröffnet. Anschließend war ein Festbankett mit estnischen Spezialitäten in einem historischen Restaurant, einem ehemaligen Pulverkeller angerichtet – einer von vielen Höhepunkten der Reise!

Am Samstag griff das Team dann erstmals in das Turniergeschehen ein. Mit der Auswahl aus Luxemburg traf man im ersten Spiel gleich auf einen unmittelbaren Konkurrenten um die spätere Finalteilnahme – ein undankbarer Auftakt. Dementsprechend hochmotiviert begann die offensiv ausgerichtete Mannschaft (vier Angreifer und ein Stellspieler). Die Trainer bewiesen dabei eine glückliche Hand und man schlug Luxemburg unerwartet deutlich mit 25:18 und 25:14. Überzeugend spielte dabei neben Aufbauspieler Danny Thiele vor allem Michael Schröder vom CVJM Sylbach, der sich neben seinen Angriffsqualitäten als sicherer Blockspieler auszeichnete.

Die folgenden Vorrundenspiele entschieden die Deutschen klar zu ihren Gunsten: mit 25:12 und 25:12 wurde zunächst die Slowakei besiegt, anschließend setzte man sich ebenfalls deutlich mit 25:16 und 25:17 gegen die Schweiz durch. In diesen Spielen kamen auch Matthias Schmudde (Sylbach) und Wolfram Faß zum Einsatz und machten durch ihre starken Angriffsleistungen die anfallenden Personalentscheidungen für die Trainer nicht einfacher.

Im letzten Spiel des Tages stand man der gastgebenden Mannschaft aus Estland gegenüber. Da auch die Esten zu diesem Zeitpunkt noch ungeschlagen waren, hatten sich beide Teams schon vor dem Spiel für das sonntägliche Finale qualifiziert. Bewusst ließ Trainer Dirk Marquardt daher die Hauptangreifer Maik Schmidt und Stephan Ostermann pausieren, um sie für das Finale zu schonen und nicht die wahre Spielstärke der deutschen Auswahl preis-zugeben – eine taktische Meisterleistung, wie sich später herausstellen sollte. So verlor man den ersten Satz mit 19:25, und erst als im zweiten Satz mit Danny Thiele ein zweiter Stellspieler eingewechselt wurde, fanden die Deutschen besser zu ihrem Spiel. Nach hartem Kampf musste man sich den Esten allerdings mit 24:26 geschlagen geben.

Am Sonntag fanden nur noch die Finalspiele in den sechs Spielklassen statt. Die WM-Organisatoren hatten die Halle mit den großen, vollbesetzten Tribünenblöcken um das Spielfeld herum in einen wahren „Hexenkessel" verwandelt – Spielbedingungen, die die deutschen Akteure in ihrer Randsportart noch nie vorgefunden hatten. Nachdem Deutschland bereits den 3. Platz im Mixed 40+ belegte, folgten ein Titel bei den Frauen 40+ und eine Silbermedaille bei den Herren dieser Alters-klasse. In einem spannenden Dreisatzspiel gewannen anschließend die deutschen Damen um die Vereinsmannschaft von Grünweiß Hausdülmen gegen eine junge estnische Nationalmannschaft.

Jetzt waren es nur noch wenige Minuten, bis die deutschen Herren in die Halle einlaufen sollten. Im Vorfeld einigten sich die Trainer nach langer Beratung auf das bewährte, in letzter Zeit aber selten gespielte System aus zwei Stellspielern und drei Angreifern – ein Tribut auch an die guten Abwehrleistungen von Martin Daubitz in der Vorrunde. Im An-griff lastete die größte Verantwortung damit auf Mittelblocker Stephan Ostermann, doch im Spiel brachten alle Akteure uneingeschränkt die zum Titelgewinn erforderliche Höchstleistung.

Der erste Satz begann für das deutsche Team allerdings alles andere als verheißungsvoll. Übernervös fand man zunächst überhaupt nicht ins Spiel und geriet mit 2:7 gleich deutlich in Rückstand. Erst nach der ersten Auszeit konzentrierte man sich besser und arbeitete sich Punkt für Punkt vor allem über spektakuläre Abwehraktionen heran. Der estnische Angriff, Finale gegen Estland der unter anderem aus zwei Volleyballnationalspielern (!) gebildet wurde, war nur sehr schwer auszurechnen und kaum mit dem Blockspiel abzuwehren. Erst der konsequente Dreierblock brachte die Spielentscheidung und eröffnete bei 24:23 den ersten Satzball. Doch die Esten hielten dagegen und konnten den Satz bis zum 26:25 aus deutscher Sicht offen halten. Der folgende estnische Angriff wurde durch den Block Stephan Ostermanns abge-fälscht, konnte aber von Kapitän Christian Kunze noch hoch auf Danny Thiele gespielt werden, der die Indiaca unerreichbar ins gegnerische Feld schmetterte. Der Jubel der deut-schen Anhänger war bereits zu diesem Zeitpunkt kaum noch zu überbieten.

Der zweite Satz wurde durch das konstant hohe Niveau des deutschen Spiels dominiert, welches die Esten von Anfang an unter Druck setzte und zu Fehlern zwang. Punkt für Punkt baute das deutsche Team bis Mitte des zweiten Satzes die Führung bei 17:12 auf fünf Punkte aus, ehe der Widerstand der Gastgeber gebro-chen war. Am Ende gewann man diesen nicht minder hochklassigen Satz mit 25:18 und da-mit die Weltmeisterschaft. Der nicht enden wollende Jubel wurde erst mit Beginn des Mixed-Finales unterbrochen, das Deutschland ebenfalls gegen Estland gewann.

Im Anschluss erlebten die Teilnehmer nochmals bewegende Augenblicke bei der Abschlussfeier. Nach Erhalt der Goldmedaillen ertönte die Nationalhymne und nicht nur die Trainer, sondern auch einige Spieler und Fans konnten die Freudentränen nicht zurückhalten!

Die Feier endete mit einer eindrucksvollen Turndarbietung estnischer Sportler und der symbolischen Flaggenübergabe an Deutschland für die Ausrichtung des World Cups 2002 im November in Karlsruhe. Die nächste WM soll 2005 voraussichtlich in Japan stattfinden.

Abends trafen sich alle Nationen zum gemütlichen Ausklang mit estnischer Folklore unter freiem Himmel, und die deutsche Delegation feierte den Titelgewinn, vor allem aber diese großartige Weltmeisterschaft mit ihren vielen neu gewonnenen Freundschaften bis zum Sonnenaufgang. Gegen Mitternacht lösten die heimischen Herren auch ihr Versprechen ein und nahmen in den getauschten Trikots ihrer Finalgegner ein Bad im historischen Brunnen auf dam Rathausplatz von Tartu.

Sichtlich geschafft trat man dann am frühen Montagmorgen den Heimflug mit einem Zwi-schenaufenthalt in Kopenhagen an und freute sich nach einer späten Heimkehr am Montagabend auf eine ausgiebige Nachtruhe. Doch es kam ganz anders: Am Kamener Bahnhof wur-de die Gruppe von den heimischen Fans mit Transparenten und Sekt empfangen, so dass es noch einen feuchtfröhlichen Abschluss dieser wunderbaren Woche gab.

> Bilder

Geschrieben von Super User | aktualisiert am Sonntag, 17. Juli 2016 21:11

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